Ich habe früh gelernt, dass die Welt nicht für jeden gleich aussieht.
Es gibt Erfahrungen, die einen Menschen verändern. Sie verschwinden nicht – sie verändern den Blick, mit dem man die Welt betrachtet. Gerade in solchen Momenten habe ich erlebt, wie sehr Erinnerungen unsere Gegenwart verändern, wie unterschiedlich Wahrheit empfunden werden kann und wie eng Schmerz und Hoffnung manchmal beieinanderliegen.
Diese Erkenntnis begleitet mich seit vielen Jahren.
Zwei Menschen können denselben Augenblick erleben – und doch eine völlig unterschiedliche Wirklichkeit mit nach Hause nehmen.
Vielleicht male ich deshalb nicht die sichtbare Welt.
Ein Gesicht ist für mich mehr als seine Züge. Eine Stadt ist mehr als ihre Gebäude. Ein Wald ist mehr als Bäume. In jedem Motiv suche ich nach dem, was sich nicht eindeutig zeigen lässt – nach Erinnerung, nach Bedeutung, nach den Spuren, die das Leben in uns hinterlässt.
Deshalb reduziere ich Formen, verschiebe Perspektiven und lasse bewusst Unschärfen entstehen. Ich möchte keine fertigen Antworten geben. Meine Bilder sollen offen bleiben – für eigene Erinnerungen, Gedanken und Gefühle.
Ich wünsche mir, dass meine Bilder Fragen stellen, bevor sie Antworten geben. Dass sie den Betrachter einen Augenblick länger festhalten und ihn einladen, seine eigene Geschichte in ihnen zu entdecken. Denn jedes Bild vollendet sich erst im Blick dessen, der davorsteht.
Ich male nicht die Welt, wie sie ist. Ich male die Welt, wie sie in uns lebt.